Eine Agentur braucht vor dem Start eines Website-Projekts vor allem eine belastbare Orientierung: Ziele und Erfolgskriterien, Zielgruppen, Inhalte, Technik, Gestaltung, Zuständigkeiten, Freigaben und den späteren Betrieb. Ein perfektes Konzeptdokument ist dafür nicht nötig. Auch müssen nicht alle Texte und Bilder fertig sein. Entscheidend ist, dass sichtbar wird, was bereits geklärt ist, was fehlt und wer welche Entscheidung trifft.
Kurz erklärt
Vor dem Website-Projekt braucht eine Agentur keine perfekte Vorarbeit, aber klare Leitplanken: Ziele, Erfolgskriterien, Zielgruppen, vorhandene Inhalte, technische Abhängigkeiten sowie feste Rollen für Entscheidungen und Freigaben.
Bei einem Relaunch kommen Bestandsinhalte, URL-Änderungen und Weiterleitungen hinzu. Datenschutz, Barrierefreiheit und Sicherheit sollten dort berücksichtigt werden, wo Funktionen, Daten oder Zielgruppen dies erfordern.
So wird das Briefing nicht zur Pflichtübung, sondern zur gemeinsamen Ausgangsbasis. Es kann verhindern, dass wichtige Fragen erst auftauchen, wenn Design, Inhalte oder Entwicklung bereits weit fortgeschritten sind.
Warum der Projektstart mehr als eine Designfrage ist
Eine neue Website ist kein isoliertes Designobjekt. Sie soll ein Unternehmen verständlich darstellen, Menschen zu passenden Informationen führen und häufig konkrete Aufgaben unterstützen: eine Anfrage senden, eine Leistung einordnen, einen Kontakt finden oder sich auf eine Stelle bewerben.
Wer nur mit dem Satz „Wir brauchen eine neue Website“ startet, lässt viel Interpretationsspielraum. Hilfreicher sind drei Fragen: Was soll die Website leisten? Für wen ist sie gedacht? Und woran lässt sich erkennen, ob sie ihre Aufgabe erfüllt? Je klarer diese Richtung, desto fundierter kann eine Agentur beraten, priorisieren und gestalten.
Was eine Agentur vor dem Start wissen sollte
Bevor ein Website-Projekt in die Umsetzung geht, braucht die Agentur ein solides Bild von Ausgangslage und Ziel.
- Ziele und Erfolgskriterien: Soll die Website informieren, Anfragen unterstützen, Bewerbungen fördern, Produkte erklären oder das Markenbild schärfen? Erfolgskriterien können etwa abgeschlossene Anfragen, erledigte Nutzeraufgaben oder qualifizierte Bewerbungen sein. Sie sollten zum konkreten Projekt passen und überprüfbar bleiben.[1]
- Zielgruppen und Nutzerbedürfnisse: Wer nutzt die Seite, in welcher Situation und mit welchen Fragen? Vorhandene Analysedaten, Suchanfragen, Supportanfragen, Interviews oder Beobachtungen sind dafür hilfreicher als reine interne Vermutungen.[2]
- Inhalte: Welche Texte, Bilder, Videos und Downloads existieren bereits? Was muss neu entstehen, und wer erstellt und genehmigt die Inhalte?
- Technische Basis: Gibt es ein CMS, Hosting, Domains, Formulare, Tracking, Schnittstellen oder weitere Systeme, die berücksichtigt werden müssen?
- Marke und Gestaltung: Welche Vorgaben aus Corporate Design, Tonalität und Bildsprache gelten?
- Datenschutz, Barrierefreiheit und Sicherheit: Welche Anforderungen ergeben sich aus Funktionen, Zielgruppen und dem Schutzbedarf der Website?
- Organisation und Betrieb: Wer entscheidet, wer gibt frei, wer bündelt Rückmeldungen und wer pflegt die Website später?
Diese Informationen müssen nicht lückenlos in einem Dokument stehen. Ein ehrlicher Überblick über Bestand, offene Punkte und Abhängigkeiten ist oft wertvoller als eine scheinbar vollständige Mappe, die im Alltag niemand mehr nutzt.
Die wichtigsten Fragen für die Webdesign Vorbereitung
Strategische Fragen: Ziele, Prioritäten und Erfolgskriterien
Am Anfang steht der Zweck der Website. Soll sie vor allem neue Kontakte anbahnen, Vertrauen in komplexe Leistungen schaffen oder die Arbeitgebermarke stärken? Mehrere Ziele sind möglich, aber selten gleich wichtig. Diese Priorisierung prägt Seitenstruktur, Navigation und die Gewichtung auf der Startseite.
Daneben braucht es Erfolgskriterien. Nicht jede Wirkung lässt sich auf eine einzelne Zahl reduzieren. Dennoch sollte vorab feststehen, welche Ergebnisse später beobachtet werden sollen. Das schafft eine gemeinsame Grundlage für Entscheidungen im Projekt und für die spätere Weiterentwicklung.
Inhaltliche Fragen: Bestand, Lücken und Freigaben
Inhalte werden oft erst dann zum Thema, wenn das Layout bereits steht. Dann geraten Projekte leicht ins Stocken. Sinnvoller ist eine frühe Bestandsaufnahme: Welche Inhalte sind aktuell, welche müssen überarbeitet werden und welche fehlen vollständig? Dazu gehören nicht nur Texte, sondern auch Bilder, Videos, Downloads, Ansprechpartner und rechtlich relevante Seiten.
Ebenso wichtig ist die Qualität der Informationen über die Zielgruppen. Interne Einschätzungen können ein guter Startpunkt sein, bleiben aber Annahmen, solange sie nicht durch Daten oder Rückmeldungen gestützt werden. Die Agentur sollte wissen, worauf diese Annahmen beruhen und welche Fragen im Projekt noch geprüft werden müssen.
Hilfreich ist auch die Frage, ob bestehende Inhalte übernommen, überarbeitet oder komplett neu aufgebaut werden sollen.
Organisatorische Fragen: Rollen, Ressourcen und Prüfungen
Ein Website-Projekt braucht klare Entscheidungswege. Eine feste Ansprechperson auf Unternehmensseite hilft, Rückfragen zu bündeln und widersprüchliche Rückmeldungen zu vermeiden. Ebenso sollte geklärt sein, wer Inhalte liefert, fachlich prüft und final freigibt.
Zum realistischen Start gehören außerdem Budgetrahmen, verfügbare interne Ressourcen und Abwesenheiten. Wer nur punktuell Zeit für Inhalte oder Freigaben hat, sollte das früh benennen. Auch Qualitätsprüfungen und Abnahmekriterien gehören auf die Agenda: Was wird vor der Veröffentlichung getestet, wer prüft die Ergebnisse und wie werden offene Punkte dokumentiert?
Technische, rechtliche und qualitative Rahmenbedingungen
Technik ist mehr als die Frage nach dem CMS. Bestehende Formulare, Newsletter-Anbindungen, CRM-Systeme, Tracking, Nutzerkonten oder Schnittstellen können die Konzeption erheblich beeinflussen. Auch Zugänge, Hosting-Verantwortung, Domainverwaltung und spätere Redaktionsrechte sollten früh geklärt werden.
Barrierefreiheit gehört dabei nicht ans Ende einer langen To-do-Liste. Je nach Projekt sollten angestrebter Standard, betroffene Seitentypen und Funktionen, Verantwortlichkeiten sowie Prüfungen bereits in Konzeption, Gestaltung, Entwicklung und Qualitätssicherung berücksichtigt werden.[3] Ob besondere gesetzliche Anforderungen greifen, hängt vom konkreten Angebot und Anwendungsbereich ab. Bei bestimmten Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr können zusätzliche Anforderungen an Barrierefreiheit relevant sein.[8]
Datenschutz sollte ebenfalls in die Konzeption einfließen, sobald personenbezogene Daten oder eingebundene Dienste im Spiel sind. Für Formulare, Tracking oder Nutzerkonten sind etwa Zweck, benötigte Daten, Zugriffsrechte, Speicherdauer und beteiligte Dienste früh zu klären.[4] Sicherheitsanforderungen bleiben am besten konkret: Welchen Schutz brauchen Bereiche mit Logins oder sensiblen Daten? Welche Berechtigungen, Tests und Dokumentationen sind für die Abnahme vorgesehen?[6]
Was bei einem Relaunch zusätzlich geklärt werden muss
Bei einer komplett neuen Website gibt es keinen Bestand, den es zu überführen gilt. Bei einem Relaunch sieht das anders aus. Ändern sich URLs, braucht die Agentur eine Zuordnung von alten zu neuen Seiten, ein Konzept für Weiterleitungen sowie Zeit für Tests und die Beobachtung nach der Umstellung.[7]
Auch bestehende Inhalte, Suchanfragen, Formulare, Downloads und technische Integrationen verdienen einen prüfenden Blick. Nicht alles muss unverändert bleiben. Aber bevor etwas entfällt, sollte klar sein, welche Funktion es bislang erfüllt und ob eine Alternative vorgesehen ist.
Welche Unterlagen den Start erleichtern
Eine universelle Pflichtmappe gibt es nicht. Für die erste Orientierung sind Ziele, Ansprechpartner und ein Blick auf die bestehende Situation wichtiger als perfekt aufbereitete Unterlagen. Hilfreich sind darüber hinaus:
- Zugriff auf die aktuelle Website sowie vorhandene Analysen
- Markenrichtlinien, Logos und Vorgaben zu Tonalität oder Bildsprache
- eine grobe Seitenstruktur oder Sitemap-Idee
- Texte, Bildmaterial, Videos und Downloads aus dem Bestand
- Informationen zu Leistungen, Produkten und Ansprechpartnern
- Hinweise zu Hosting, Domain, Tracking, Formularen und Schnittstellen
- bei Relaunches eine Übersicht wichtiger bestehender URLs und Inhalte
Solche Unterlagen erleichtern die Einarbeitung, ohne jede Entscheidung vorwegzunehmen. Vieles wird erst im Austausch sinnvoll geschärft.
Wie ein guter Agenturprozess beginnt
Ein guter Agenturprozess startet mit einer strukturierten Bestandsaufnahme. Zunächst werden Ziele, vorhandene Grundlagen, offene Fragen und Risiken gesammelt. Daraus entstehen Prioritäten: Was muss vor dem Konzept entschieden werden, was kann parallel vorbereitet werden und was entwickelt sich erst in der Zusammenarbeit?
Danach braucht es eine verständliche Arbeitsgrundlage mit Rollen, Zeitfenstern, Freigabewegen und Abnahmekriterien. Entscheidungen sollten nachvollziehbar bleiben. So behält das Unternehmen den Überblick, und die Agentur kann sich auf die Punkte konzentrieren, die für die Website wirklich zählen.
Typischerweise umfasst der Start eines Website-Projekts mehrere Schritte: Erstgespräch, Zielklärung, Sichtung vorhandener Materialien, Definition von Umfang und Prioritäten sowie die Abstimmung des weiteren Vorgehens. Je nach Projekt kann daraus ein Workshop, ein Briefing oder ein gemeinsamer Projektplan entstehen.
Was Unternehmen häufig zu spät klären
- Welche Inhalte sollen wirklich auf die Website und welche nicht?
- Wer liefert Texte und Bilder in passender Qualität und innerhalb welcher Zeit?
- Welche Funktionen sind unverzichtbar, welche lediglich wünschenswert?
- Welche internen Freigaben sind nötig und wie lange dauern sie?
- Wer pflegt die Website später im Alltag und mit welchen Rechten?
- Welche bestehenden URLs müssen bei einem Relaunch weitergeführt oder weitergeleitet werden?
Diese Punkte wirken unspektakulär, haben aber direkte Folgen für Umfang, Ablauf und Qualität. Gerade bei mehreren beteiligten Abteilungen lohnt es sich, sie nicht nebenbei zu behandeln.
Praktische Checkliste für den Projektstart
Für die erste Phase eines Website-Projekts hilft eine einfache Checkliste.
- Was ist das Hauptziel der neuen Website, und woran wird Erfolg erkennbar?
- Wer sind die wichtigsten Zielgruppen, und welche Erkenntnisse liegen über ihre Bedürfnisse vor?
- Welche Inhalte sind vorhanden, welche fehlen und wer verantwortet Erstellung sowie Freigabe?
- Welche Systeme, Zugänge, Domains, Formulare, Tracking-Lösungen und Schnittstellen müssen berücksichtigt werden?
- Welche Design-, Marken- und Tonalitätsvorgaben gelten?
- Wer ist feste Ansprechperson, wer entscheidet und welche Freigabewege gelten?
- Welche internen Ressourcen, Zeitfenster und Budgetgrenzen sind realistisch?
- Welche Prüfungen und Abnahmekriterien gelten für Inhalte, Funktionen, Barrierefreiheit und Sicherheit?
- Welche Datenschutzfragen ergeben sich aus Daten, Formularen und eingebundenen Diensten?
- Bei einem Relaunch: Welche URLs, Weiterleitungen und Tests sind erforderlich?
Erstaufbau und Relaunch im Vergleich
| Kriterium | Neue Website | Relaunch |
|---|---|---|
| Inhalte | Struktur und Inhalte werden neu aufgebaut. | Bestehende Inhalte werden geprüft, überarbeitet oder gezielt ersetzt. |
| Technik | Systeme und Zugänge werden neu festgelegt. | Bestehende Systeme, Integrationen und Daten müssen zusätzlich bewertet werden. |
| URLs | Neue URL-Struktur wird geplant. | Alte und neue URLs müssen bei Änderungen zugeordnet und getestet werden. |
| Qualitätssicherung | Funktionen und Inhalte werden vor der Veröffentlichung geprüft. | Zusätzlich sind Weiterleitungen und Auswirkungen der Umstellung zu überwachen. |
Voraussetzungen und Grenzen
Eine Agentur kann Struktur schaffen, offene Fragen sichtbar machen und Optionen verständlich aufbereiten. Einige Grundlagen müssen jedoch aus dem Unternehmen kommen.
- Entscheidungen: Prioritäten zu Zielen, Leistungen und Zielgruppen lassen sich nicht vollständig auslagern.
- Zugänge: Zugriffe auf Domain, Hosting, CMS oder Drittsysteme müssen rechtzeitig bereitstehen.
- Fachwissen: Inhalte und interne Prozesse benötigen verantwortliche Ansprechpartner.
- Freigaben: Klare Termine und Entscheidungswege bleiben Voraussetzung für einen verlässlichen Ablauf.
Fazit: Gute Vorbereitung schafft eine tragfähige Basis
Eine Agentur braucht vor dem Start eines Website-Projekts keine fertige Musterlösung. Entscheidend sind eine gemeinsame Richtung, nachvollziehbare Verantwortlichkeiten und ein realistischer Blick auf Inhalte, Technik und Betrieb.
Wo noch Fragen offen sind, sollten sie sichtbar sein. Genau darin liegt eine gute Webdesign Vorbereitung: nicht alles vorwegzunehmen, sondern auf einer Grundlage zu starten, die tragfähige Entscheidungen möglich macht.
Häufige Fragen
Müssen alle Website-Texte vor Projektbeginn fertig sein?
Nein. Eine Übersicht über vorhandene, fehlende und veraltete Inhalte sowie klare Verantwortlichkeiten genügt für den Start.
Was passiert, wenn die Zielgruppen noch nicht eindeutig definiert sind?
Vorhandene Daten und Rückmeldungen sollten ausgewertet werden; interne Einschätzungen bleiben zunächst Annahmen.
Ist Barrierefreiheit nur ein Thema für die Entwicklung?
Nein. Sie betrifft Ziele, Inhalte, Gestaltung, Umsetzung und Qualitätssicherung.
Welche technischen Zugänge sind vor dem Start wichtig?
Je nach Projekt sind Zugänge zu CMS, Hosting, Domainverwaltung, Tracking, Formularen und angebundenen Systemen relevant.
Warum braucht ein Relaunch eine URL-Liste?
Sie unterstützt die Planung und Prüfung von Weiterleitungen, wenn sich Seitenadressen ändern.
Wer sollte auf Unternehmensseite entscheiden?
Eine feste Ansprechperson sollte Rückmeldungen bündeln; finale Entscheidungs- und Freigaberollen müssen eindeutig sein.
Quellen und Einordnung
- Die Quellen vertiefen vor allem Nutzerorientierung, Barrierefreiheit, Datenschutz, Sicherheit und Relaunch-Migration.
- Rechtliche Anforderungen sollten stets auf den konkreten Anwendungsfall bezogen formuliert werden.
- Für einen gut lesbaren Beitrag genügen wenige gezielt platzierte Verweise an den fachlich entscheidenden Stellen.
- Define what success looks like and publish performance data (Government Digital Service, GOV.UK)
- Learning about users and their needs (Government Digital Service, GOV.UK)
- Plan: Planning and Managing Web Accessibility (W3C Web Accessibility Initiative)
- § 2 Barrierefreiheitsstärkungsgesetz – Begriffsbestimmungen (Bundesministerium der Justiz und Bundesamt für Justiz)
- Regulation (EU) 2016/679 – General Data Protection Regulation (EUR-Lex, Europäische Union)
- Leitfaden zur Entwicklung sicherer Webanwendungen – Empfehlungen und Anforderungen an Auftraggeber (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik)
- Site Moves and Migrations (Google Search Central)

